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Glaube? Aberglaube? - Volksfrömmigkeit | Kulturgut Hausruck


Aberglauben im Leben: Geburt

Wollte ein Mann mĂ€nnliche Nachkommen zeugen, musste er Karfreitags-Eier essen, hieß es in Steinerkirchen. FĂŒr die Geburt holte man die Hebamme, die „Höbfang“, der immer etwas Unheimliches anhaftete. In Rottenbach erzĂ€hlte man den Kindern, die Hebamme habe die Babys aus dem Wasser geholt, auf dem sie in einer Schachtel schwammen, in Hohenzell schwammen die Kinder auf der Antiesen daher.

Der „Nabelstrang“ wurde verknotet und sieben Jahre aufgehoben, dann musste das Kind den Knoten lösen. Fiel ihm dies leicht, so deutete das, laut Volksmeinung in Rottenbach, Gaspoltshofen und Neuhofen darauf hin, dass das Kind klug wĂŒrde. In Pramet und Schildorn hĂ€ngte man sie den Kindern zum Schulgehen um. Trug das Kind eine GlĂŒckshaube (Teil der Plazenta), wurde diese unter der TĂŒrschwelle vergraben.

Die Nachgeburt wurde in Hofkirchen vor dem Haus verbrannt. In Rottenbach, Aistersheim, Haag und Weibern wurde sie in einer Ecke des Gartens oder unter einem Baum, in Neuhofen unter der Dachtraufe vergraben. In Andrichsfurt wischte man mit ihr dem Kind das Gesicht ab, damit es schön werde. Das Wasser des ersten Bades schĂŒttete man bei einem Buben zu einem Apfel- und bei einem MĂ€dchen zu einem Birnbaum. Zog man dem Kind ein Hemd des Vaters an, so musste dieser es recht lieb haben.

Wöchnerinnen durften sechs Wochen das Haus nicht verlassen, weil sie sonst sich und das Neugeborene dem Teufel aussetzten. Mussten sie es doch, sollten sie Kleider ihres Mannes tragen. Wer eine Wöchnerin im Hausruckgebiet besuchte, musste rechtzeitig den Hut abnehmen, sonst nahm ihn die Großdirn als Stellvertreterin der Mutter. Er musste dann bei ihr ausgelöst werden. Dieser Brauch ist bis etwa 1930 aus Hofkirchen (dort wurde er vereinzelt sogar bis in die 1960er Jahre gepflegt), Rottenbach, Geboltskirchen, Altenhof, Kallham, Pramet, Andrichsfurt und Taiskirchen ĂŒberliefert.

Man hatte auch Angst, der Teufel könnte das Neugeborene gegen einen Wechselbalg austauschen, der jĂ€mmerlich heulte, nicht zunahm und nicht wuchs. Behandelte man ihn dennoch gut, wĂŒrde der Teufel vielleicht nach 15 oder 20 Jahren das vertauschte Kind zurĂŒckbringen.
 


Dokumentation der Ausstellung "Glaube? Aberglaube? – Volksfrömmigkeit" im Kulturgut Hausruck vom 26. April bis 2. November 2014.

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