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Glaube? Aberglaube? - Volksfrömmigkeit | Kulturgut Hausruck


SCHWARZE MAGIE

Das Schatzgraben

In Krisenzeiten versuchte man, durch magische Mittel sein Leben zu erhalten. Das Schatzgraben oder Schatzbeten gehörte zu den am meisten geĂŒbten und in Prozessen abgehandelten magischen Praktiken.
 

1. Schatzgraben mittels magischer BĂŒcher

Im Bezirksheimathaus Tollet befand sich ein Buch zum Schatzgraben, ein sogenanntes Arcanum. Auf 135 in Kurrent geschriebenen Seiten werden zwei verschiedene Anleitungen zum magischen Schatzheben gegeben, von denen eine ein „Christophorusgebet“ ist. Bei beiden Arten mĂŒssen magische Kreise gezogen werden, magische Utensilien wie Drudenmesser mit neun Kreuzen und Monden, geweihte Kerzen usw. sind nötig und natĂŒrlich muss man einen Ort wissen, an dem ein Schatz vergraben ist. Um diesen muss man einen magischen Kreis ziehen. Man kann aber auch nur Erde von dem Ort mitnehmen und den Kreis dann ĂŒberall machen. Unter Gebeten muss man zu dritt den Kreis betreten, keiner von ihnen darf eine schwere SĂŒnde begangen haben. Der Geisterbeschwörer, der KlĂŒgste unter ihnen, gibt die Anleitungen.

Er soll durch Reliquien oder Ähnliches geschĂŒtzt sein. Die Geister mĂŒssen mit Namen angesprochen werden und man muss ihnen sagen, dass sie in schöner menschlicher Gestalt erscheinen sollen, nicht mit Feuer und ohne einem Menschen Schaden zuzufĂŒgen. Auch ob man GoldmĂŒnzen, SilbermĂŒnzen oder Edelsteine will, muss man mit ihnen klĂ€ren. Namen der Geister seien Aratron, Bethor, Phaleg, Hagith, Och, Ophiel und Phul. Es handelt sich hierbei um die sogenannten Planetengeister.

Unter Gebeten werden diese Geister angerufen, immer im Namen Gottes, der Heiligen usw. und es wird ihnen befohlen, einen Schatz zu bringen. Dazwischen betete man das Johannesevangelium, dem man durch seine Einleitung „Am Anfang war das Wort“, magische FĂ€higkeiten zuschrieb. Auch die Satorformel und der Benediktussegen kommen als Schutzmittel vor. Wenn die Planetengeister den Schatz trotz mehrmaliger Beschwörung nicht bringen sollten, wird zu stĂ€rkeren Mitteln gegriffen und es werden Luzifer, Beelzebub und deren höllischer Anhang beschworen. Hatten die Geister den Schatz gebracht, musste man sie wieder loswerden, was oft nicht so leicht war.

Man musste ihnen notfalls ein Kreuz entgegenhalten und den Kreis wieder verschließen.


Bei der zweiten Art des „Schatzbetens“ wurde statt den Planetengeistern der heilige Christophorus angerufen. Diese Praktik war so hĂ€ufig, dass sie den Namen „Christoffeln“ erhielt. Wieder bezeugen verschiedene Prozesse die HĂ€ufigkeit dieser Praktiken:

Vöcklabruck, 1681: Eine Landstreicherin wurde mit einem Faustbuch zum Geisterbeschwören aufgegriffen.

Puchheim, 1686: Zwei SchatzgrĂ€ber gruben im Garten eines Bauern, der Schatz hatte sich aber schon „verzuckt“, war nicht mehr da.

Obernberg, 1757: Ein angeblicher SchatzgrÀber und ein Student betrogen einen Wirt, dem sie einredeten, auf seinem Feld liege ein Schatz.

Lambach, 1738: Ein Student aus Lambach wurde im Landgericht Rannariedl wegen Schatzgrabens verhaftet und das Haus seines Vaters in Lambach nach aberglĂ€ubischen Schriften durchsucht. Dem Abt von Lambach rĂ€t Graf Lamberg in der Kirche scharf gegen das sĂŒndhafte Schatzgraben zu predigen.

Neben dem Arcanum gab es eine Unzahl BĂŒcher, die dem Schatzgraben dienen sollten, wie FaustbĂŒcher, RomanusbĂŒchlein usw. Das Schatzgraben galt, wie viele Sagen zeigen, als Ă€ußerst gefĂ€hrlich. Manchmal wurde man die Geister nicht mehr los oder sie holten einen der Schatzbeter mit List aus dem Kreis und nahmen ihn mit sich. Betrieben wurde das Schatzheben besonders an ehemaligen Lagestellen von Burgen. Beim Piesinger in Haag, (ehemalige Burg Rudolfspitz), berichtet eine Sage, sei man Kreis gestanden, um einen Schatz zu heben, jemand habe aber durch Provokation des Teufels gesprochen und der Schatz sei wieder verschwunden.

 

2. Andere Arten des Schatzgrabens

Ein Ordner in Kloster Lambach enthĂ€lt eine von einem Untertanen konfiszierte andere Anleitung zum Schatzgraben. Sie wirkt viel volkstĂŒmlicher und einfacher. Man muss einen Tisch aus neuem Holz machen, drei TrinkglĂ€ser, Messer, Semmeln, sĂŒĂŸen Wein und ein kleines rotes Röckchen an einem Ort, von dem man wisse, dass dort ein Schatz sei, bereitstellen. Unter den Tisch stellte man eine RĂ€ucherpfanne, auf den Tisch Feder, Papier und Tinte. Dann mĂŒsse man das Johannesevangelium dreimal beten und die HĂŒter des Schatzes mit lauter Stimme rufen. Die BergmĂ€nnlein wĂŒrden kommen und alles aufschreiben, was man wissen wolle. Nach drei Tagen wĂŒrde man dort den Schatz finden.

 

3. Reichtum durch einen Spiritus familiaris

Darunter versteht man ein Teufelchen in einem Glas oder einen anderen dienstbaren Geist, den man auch „GeldbrĂŒter“, „Geldscheißer“ oder „Tragerl“ nannte, weil er alles GewĂŒnschte herbeibringen musste.

Verschiedene berĂŒhmte MĂ€nner sollen so einen Geist besessen haben, z.B. Vergil und Paracelsus. Man muss einen solchen Flaschenteufel aber bei Zeiten loswerden, sonst verliert man seine Seele. Dies ist oft nicht so leicht, weil man ihn immer billiger verkaufen als kaufen muss. Der Besitz eines „Spiritus“ wies im Gerichtswesen auf ein TeufelsbĂŒndnis hin, dennoch versuchte so mancher, sich einen solchen zu verschaffen.

Frankenmarkt, 1572: Der Hafnermeister Hans Hölzel wurde wegen Zauberei und des Besitzes eines Spiritus familiaris angeklagt, auch SchatzgrĂ€berei soll er betrieben haben. Den „Geist“ habe er vom Puxbaumer in Wolfsegg gehabt, er sei aber nicht echt gewesen, sagte er aus.

Lambach, 1714: Der Tischler Gotthard SchwĂ€nzenberger soll einen „Teufel im Glas“ erworben haben.

Wels, 1752: Der Stadtrichter befragte zwei VerdĂ€chtige, die einen „Spiritus erkhaufft und hierdurch betrogen worden seyn.“

Eferding, 1673: Ein Fleischhacker wurde wegen Besitz eines Buches zur SchatzgrÀberei und eines Geistes inhaftiert.

Puchheim, 1676/77: Wolf GrĂ€bmer wurde der Prozess wegen eines Zauberspiegels, eines Spiritus familiaris und wegen Schatzgrabens gemacht. Er wurde mit dem Versprechen freigesprochen, dass er seine Schulden zahle und ein ehrsames Leben fĂŒhre.

 

4. Reichtum durch AusbrĂŒten eines Ur-Eis

Auch auf diese Weise konnte man zu einem dienstbaren Geist kommen. Das Ei musste man unter dem Arm ausbrĂŒten, dann wĂŒrde ein „Schratt“ schlĂŒpfen, der Geld bringe. Schon Agrippa von Nettesheim beschreibt dies in seiner „Occulten Philosophie“.

Obernberg, 1802: Der Drechsler AndrĂ€ Baumeister wollte ein Ur-Ei ausbrĂŒten. Er hatte das Ei in Teufels Namen drei Wochen lang unter den linken Arm getan und warm gehalten. Mit einer Nadel hatte er das Ei aufgestochen und den „Flattermann“, der darinnen war, herausgenommen und in ein Glas gegeben. Sie wollten dann das „Teufelchen“ vom Pfarrer segnen lassen, damit es ihnen Geld bringe.

 

5. Reichtum durch eine Alraun-Wurzel

Sie ist die bekannteste aller Zauberpflanzen, der Name bezeichnet eigentlich die Wurzel der Mandragorapflanze. Durch botanische Schriften gegen Ende des Mittelalters, in der die Mandragora- Wurzel mit ihrem menschenÀhnlichen Aussehen abgebildet war, verbreitete sich der Zauberglaube auch im einfachen Volk. Gegen 1400 gab es erste Hinweise auf Zauberpraktiken mit Hilfe dieser Wurzeln.
In Grimmelshausens Buch „Simplizissimus“ von 1668 ist der Alraun ein „GalgenmĂ€nnlein“, das unter dem Galgen aus dem Samen eines gehĂ€ngten JĂŒnglings wĂ€chst. Sein Erwerb stellt eine Art Teufelspakt dar. In Oberösterreich hielt man Alraune fĂŒr Kinder des Teufels. Findet man etwas nicht, so sagt man, das Alraundel sitze darauf. Gute Alraune heißen „Tragerln“, weil sie ihrem Besitzer alles herbeibringen, böse Alraune quĂ€len das Vieh.
Kaiser Rudolph II. besaß einen mĂ€nnlichen und einen weiblichen in Samt und Seide gekleideten Alraun mit den Namen Maryon und Trudacyas.
 


Dokumentation der Ausstellung "Glaube? Aberglaube? – Volksfrömmigkeit" im Kulturgut Hausruck vom 26. April bis 2. November 2014.

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