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Glaube? Aberglaube? - Volksfrömmigkeit | Kulturgut Hausruck


Schwarze Magie

Zaubermittel fĂŒr Diebe

Diebe mussten wissen, ob im Haus alle schlafen und sie mussten Schlösser öffnen können. Der Diebslichtzauber geht von der Vorstellung aus, man könne die unverbrauchte Lebenskraft einer Seele dazu nutzen, festzustellen, wer in einem Haus schlief. Die am besten geeigneten Seelen dazu waren die von ungeborenen Kindern. Deshalb tötete man hochschwangere Frauen, schnitt den Kindern Finger oder HĂ€nde ab und verwendete sie mit Wachs ĂŒberzogen als Diebslichter oder Diebskerzen. Ließen sie sich nicht anzĂŒnden, glaubte man, es sei noch jemand im Haus munter.
Man verwendete manchmal auch Körperteile von Hingerichteten, besonders „GalgenhĂ€nde“ oder „Diebsdaumen“, die auch Reichtum und Erfolg bringen sollten. Morde zur Gewinnung von Diebslichtern sind seit dem 15. Jh. ĂŒberliefert.


Puchheim, 1630: Der Angeklagte Hans Stockinger bekannte nicht nur mehrere DiebstĂ€hle sondern auch Morde, darunter den an mehreren schwangeren Frauen, die er erschlagen und aufgeschnitten hatte, und den Kindern „das rechte HĂ€ndchen am Ellbogen ganz abscheulich und unbarmherzig auf mörderische Weise abgeschnitten um nach seiner und seiner Mitgesellen zauberischer Meinung nach, die Leute schlafend und unerwachend zu machen, sie mit Wachskerzen angezĂŒndet und damit unterschiedliche Diebereien begangen.“

Spital am Pyhrn: Der 22-jĂ€hrige RĂ€uber Michael Hecher bekannte „Diebslichter“ verwendet zu haben. Sie ĂŒberfielen eine Schwangere: „
 Michl habs halten helffen, Rotkopf aber von der prust an mit ainem großem allzeit bey sich gehabten meßer aufgeschniten dem kindt, so ain knĂ€bl gewest, nit allein das rechte hĂ€ndl abgeschniten, sondern auch daz herzl herauß-genommen“.

Mit Alraunwurzeln konnte ein Dieb seine Opfer zum Schlafen bringen. Schlösser dagegen öffneten sich mit Hilfe einer Springwurzel. Welche Pflanze damit gemeint war, ist nicht klar, aber Spechte wĂŒrden sie herbeibringen, um ihr durch Keile verschlossenes Nest wieder zu öffnen, erklĂ€rt die VolksĂŒberlieferung.


AberglÀubische Handlungen und Vorstellungen rund um Tote und HinrichtungsstÀtten

Alles, was mit Tod und HinrichtungsstĂ€tten zu tun hatte, schien fĂŒr magische Handlungen geeignet. Die Hingerichteten wurden meist bei der RichtstĂ€tte verscharrt oder man ließ sie ĂŒberhaupt lange Zeit unbestattet. Besonders im 16. und 17. Jahrhundert blĂŒhte der Handel mit Leichenteilen von Hingerichteten, die in der Volksmedizin oder zu magischen Praktiken verwendet wurden. Fetzen eines „ArmensĂŒnderkleides“ benutzte man zum Wenden. Ein Hafner wischte damit seine Ware, weil dann jeder sie kaufen musste. Pferde, die man damit rieb, sollten besonders gedeihen. Ließ man Pferde einen GehĂ€ngten sehen, konnten sie nicht erblinden.


Eine ArmesĂŒnderhand legte man in ViehtrĂ€nken, weil dies fĂŒr die KĂŒhe „unheimlich gut“ sei. Arme-SĂŒnder-Fett stellte man aus Fett von Menschen her, die gehĂ€ngt oder gerĂ€dert worden waren. Wichtig war dabei, dass sie an der Luft verwesten, dadurch hĂ€tte das Fett besondere HeilkrĂ€fte gegen Schwindsucht und Geisteskrankheiten und war im Mittelalter Bestandteil von schmerzstillenden Salben. Ein Bolzen aus einer Speiche des Richtrades sollte nie sein Ziel verfehlen, Asche eines Galgenstricks diente, unter das Pulver gemischt, dem Kugelzauber. In Altenhof gab man den Galgenstrick unter die TĂŒrschwelle zum Schutz gegen Diebe. Der Handel mit Leichenteilen wurde meist von den Henkern betrieben.

Stauff-Aschach, 1658: Ein MĂŒhlviertler Wirt klagte den Scharfrichter der Verleumdung, weil dieser behauptet haben soll, er hĂ€tte von ihm den Penis eines GehĂ€ngten kaufen wollen, um damit das Bier wohlschmeckender zu machen.

Geboltskirchen, 1658: Zwei Bewohner des Haslingerhofes und der KnasmĂŒller stahlen eine Kette vom Galgen des Haager Hochgerichts und ließen sich daraus einen Ring schmieden. Vermutlich sollte er Macht und StĂ€rke verleihen.

 

Kugelzauber, Waffensegen und Festmachen

Das „Festmachen“ oder die „Passauer-Kunst“ gehörte in den Bereich der Schwarzen Magie, Theologen hielten sie fĂŒr Teufelswerk. Großer Beliebtheit erfreute sich das „Kugelfestmachen“, also ein Zauber der unverwundbar machen sollte, wĂ€hrend des DreißigjĂ€hrigen Krieges.

Waffensegen gehörten noch in den Bereich der geduldeten Magie und wurden auch von Priestern durchgefĂŒhrt. Die katholische Kirche hatte sie in der Endzeit des Rittertums eingefĂŒhrt und eigene Benediktionen fĂŒr Waffen geschaffen. Laien war das Waffensegnen jedoch streng verboten, weil in den volkstĂŒmlichen Segen immer wieder auch magische Formeln gesprochen oder Handlungen ausgefĂŒhrt wurden.

Diese Waffensegen sollten fremde Waffen hemmen. Im Kloster St. Florian wird ein solcher Waffensegen aufbewahrt, in dem das Geschoß aufgefordert wird, durch Gottes Willen still zu stehen. Ein zweiter Waffensegen hat eher die Form eines Zaubers: „Waffenzauber: Eine bloße Wehr zu vergiften: So iß und kaue nĂŒchtern eine Erbse und blase den Atem an die Wehr, so ist sie vergiftet.“

Der Name Passauer Kunst fĂŒr das „Festmachen“ stammt aus dem 17. Jahrhundert und soll auf einen Passauer Scharfrichter zurĂŒckgehen, der die Soldaten in der Kunst unterwies, sich „fest“, also unverwundbar zu machen. Er verkaufte auch Schluckbildchen zu diesem Zweck.

Über die Hausruckviertler Bauern im Bauernkrieg 1626 wurde öfter berichtet, sie seien „steinhart gefroren“, man dachte, sie hĂ€tten einen Kugelzauber angewandt. Besonders Stefan Fadinger soll selbst daran geglaubt haben, kugelfest zu sein. Das war der Grund, weshalb er vor Linz seinen Feinden ungeschĂŒtzt vor der Nase herumritt. Adam Graf Herberstorff bewies seinen Soldaten, dass das „Gefrorensein“ Fadingers nur Aberglaube war und ließ ihn vom Pferd schießen. General Pappenheim, ein gegen die Bauern eingesetzter Feldherr, ließ sich Zeichen auf die Musketenkugeln machen, die den Zauber der Bauern brechen sollten. Von einem BauernfĂŒhrer, „dem Studenten“, hieß es, er habe auf einem Berg bei Lambach ein Mus gekocht, das alle kugel- und eisenfest gemacht habe, die Bauern hĂ€tten die Kugeln sogar mit der Hand fangen können.

Alexander KnasmĂŒller, AnfĂŒhrer der Geboltskirchner Bauern im Bauernkrieg bediente sich offensichtlich auch magischer Praktiken. Er betonte zwar im Verhör, er habe die Kunst sich kugelfest zu machen nicht beherrscht, hatte aber „rote Kreuzerl“ in seine Gewehrkugeln gegossen, weil man so das Gewehr bannen könne. Er trug auch seltsames Pulver und anderes bei sich. Nach der Folter durchrieb er seine eisernen Ketten und konnte aus Schloss Starhemberg fliehen. Man fragt sich, ob er nicht doch ein nĂŒtzliches Mittel zum Schlösseraufblasen dabei gehabt hat.

Im KremsmĂŒnsterer Archiv befindet sich eine Anleitung zum Festmachen. Am St. Johannestag mĂŒsse man in einen Rittersporn drei Knöpfe machen, ihn ĂŒber Nacht stehen lassen und vor Sonnenaufgang sprechen: „Ich ziech dich aus St. Johannes Namb, dass du mir guet seiest fĂŒr Stechen, Schlagen und Schießen, und dass mir kein Waffen nit schaden mag“ Bitt drei Vater Unser.“ Damit eine BĂŒchse nicht losgehen könne, mĂŒsse man dreimal sprechen:„Saliterergluet, Ich gebiete dir bei Christi Bluet, dass du nicht kannst rennen und brennen, wann man dich den Worten thuet nennen“.
 

Ein Tobiassegen, wie man ihn bei Veit Auffangers Zaubersachen fand, konnte unter vielem anderen auch dem Festmachen dienen:

„Das Zeichen ist gut vor allerlei Gewehr und Geschoß, wers bei sich tragt der kann nicht verwundt, geworfen, geschlagen, gehauet, gestochen, oder geschossen werden, er ist vor all seinen sicht- und unsichtbarn Feinden sicher, vor allen bösen Geistern, und Teufels- Gespenst, die können ihm an Leib und Seel mit der Hilf Gottes nicht schaden, er wird vor UnglĂŒck behĂŒtet.“

Um den Text herum geschrieben: „Jesus+ Lassimarus+ Seelen+ Sabian+ Duen+ Sahusesson+ Segesum+ Duoseuam+ Milias+ Daches+ Michasis+ Estes+ Aminato+“
 


Dokumentation der Ausstellung "Glaube? Aberglaube? – Volksfrömmigkeit" im Kulturgut Hausruck vom 26. April bis 2. November 2014.

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