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Mensch & Pferd - Kult und Leidenschaft | OÖ Landesausstellung 2016


Die kleine Bibliothek

Der Kleine Bibliothekssaal wurde Anfang des 18. Jahrhunderts unter Abt Maximilian Pagl mit auf Putz gemalten Ölmalereien ausgeschmĂŒckt, die verschiedene Allegorien der Wissenschaften und Szenen aus der antiken Geschichte zeigen. An der Ostseite sieht man Rhoikos von Samos, der als Erfinder des Bronzegusses gilt, wie er ein bewusst archaisch geformtes Bronzepferd gießt. Besonders zu erwĂ€hnen sind der abgebildete Grund- und Aufriss der berĂŒhmten, ebenfalls unter Abt Pagl errichteten Dreifaltigkeitskirche in Stadl Paura.


Pferdegötter und Götterpferde

Streit- und KultwĂ€gen spielen in der Hallstattzeit eine wichtige Rolle. Der von Pferden gezogene Sonnenwagen kommt in allen großen Mythologien vor, nicht nur in der griechisch-römischen, sondern auch in der Ă€gyptischen, chinesischen, indischen, keltischen, persischen und germanischen, auch in der jĂŒdischen.

In der Barockmalerei wurde das Motiv hÀufig aufgegriffen: etwa in Daniel Grans Allegorie des Tagesanbruchs oder in Paul Trogers Apotheose Kaiser Karls VI. Die altkeltische Pferdegöttin Epona verkörperte im Seitsitz zu Pferde zugleich Fruchtbarkeit und Herrschaft.

Das Trojanische Pferd ist zu einem festen Topos in Kunst und Alltag geworden. Die Bezwingung der Kentauren war in Antike, Renaissance und Klassizismus ein beliebtes Thema.

Oskar Kokoschkas SpĂ€twerk „Herodot“ wurde in dem mehr als zehnjĂ€hrigen Entstehungsprozess immer mehr zum kentaurischen SelbstportrĂ€t, wĂ€hrend in der zentral positionierten Skulptur des in Aigen im MĂŒhlkreis ansĂ€ssigen britischen KĂŒnstlers Malcolm Poynter sich der Mensch mit Pferdekopf zum apokalyptischen Wesen wandelt.


Autor: Roman Sandgruber, 2016


Mensch & Pferd - Kult und Leidenschaft. Dokumentation zur OÖ Landesausstellung 2016, 29. April bis 6. November 2016 im Stift Lambach.

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